Band 18 - Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte

Die Moritzburg in Halle

Karl Friedrich Schinkels Projekt zum Auf- und Ausbau
für Universitätszwecke

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges diente die Moritzburg in Halle vorrangig verschiedenen Erbpächtern als Lagerraum, Gartenanlage, gar als Steinbruch. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war sie unter derartigen Verhältnissen zur Ruine verkommen, als sich die Chance bot, das geschichtsträchtige Gemäuer umfassend instand zu setzen und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Einerseits bemühte sich die hallische Alma Mater, seit der Zusammenlegung mit Wittenberg 1817 als Vereinte Friedrichs-Universität firmierend, ihren akuten Platzmangel zu beheben, insbesondere da das als Auditorium maximum dienende Waagegebäude am Markt auf Grund von Baufälligkeit jederzeit einzustürzen drohte. Auf der anderen Seite gab es das anwachsende Interesse des preußischen Staates, hervorragende bauliche Zeugnisse der deutschen Geschichte zu erhalten. Diese Bemühungen sind in hervorragender Weise mit dem Namen des preußischen Oberbaudirektors Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) verbunden.

Nach verschiedenen Vorleistungen anderer Architekten legte Schinkel 1829 einen grandiosen Entwurf zur Nutzung der Moritzburg für die Universität Halle vor. Am Ende wurden jedoch die diesbezüglichen Pläne ad acta gelegt und stattdessen ein Neubau umgesetzt, der heute als Löwengebäude bekannt ist. Das Schicksal der Moritzburg änderte sich derweil erst grundlegend, nachdem der preußische Staat sich Mitte des 19. Jahrhunderts wieder ganz in deren Besitz gesetzt hatte.

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Dieter Dolgner schildert in seiner Studie die verschiedenen Pläne zum Umbau der Moritzburg, er geht dabei sowohl auf architekturhistorische Belange ein wie auf die unterschiedlichen Entscheidungsprozesse, die im steten Diskurs zwischen preußischer Krone, Verwaltung, Oberbaudirektion, hallischer Universität und nicht zuletzt den Pächtern schließlich das ambitionierte Projekt Schinkels scheitern ließen.

Dieter Dolgner

Halle 2012 mdv,
Format DIN A5, ca. 272 S., Festeinband & Farb- und s/w-Abb.
ISBN 978-3-89812-858-2
24,00 EUR

Der Autor

Dieter Dolgner, geb. 1940, Studium der Kunstgeschichte und Klassischen Archäologie in Leipzig, 1977 Promotion, 1982 Habilitation, emeritierter Professor für Kunstgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Pressestimmen

„Der bekannte Kunsthistoriker Dieter Dolgner beleuchtet in seinem neuen Buch Die Moritzburg in Halle einen interessanten Aspekt der wechselvollen Geschichte der Moritzburg. Detailliert und faktenreich untersucht Dolgner das grandiose Projekt des preußischen Oberbaudirektors Karl Friedrich Schinkel zur Nutzung der Moritzburg für die hallische Alma Mater und belegt an zahlreichen Dokumenten und Unterlagen die Geschichte, Beschreibung und Wertung des Vorhabens. Die Moritzburg in Halle ist ein wichtiger Beitrag zur hallischen Stadtgeschichte, der nicht nur die Geschichte der Moritzburg abhandelt, sondern auch architektur- und kunstgeschichtliche Entwicklungen in der Universtitätsstadt Halle skizziert.“

HalleForum.de, 3. Dezember 2011

Inhalt

  1. Bau- und Nutzungsgeschichte der Moritzburg bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
  2. Rezeption der Romantik
  3. Ein Standort für das Universitätsgebäude
  4. Der Bauplatz auf dem Schulberg
  5. Architektonische Vorstellungen an der Universität
  6. Das Projekt Carl Ferdinand Busses
  7. Intervention des Kronprinzen
  8. Die Moritzburg – Bestand und Nutzung: ein Situationsbericht
  9. Das Projekt von Karl Friedrich Schinkel und Carl Ferdinand Busse
  10. Das Projekt Ernst Friedrich Zwirners
  11. Der Immediatbericht des Kultusministers und die Auflage des Königs
  12. Breite Bemühungen um Baufreiheit und Bausicherheit
  13. Aus der Not geboren: die Option Waagegebäude
  14. Das Scheitern des Moritzburgprojektes: vom Rückzug des Kronprinzen bis zur Genehmigung des Universitätsneubaus
  15. Der Bau des Universitätsgebäudes
  16. Bautücken und Kostenfallen
  17. Das Moritzburgprojekt in der Sicht Schinkels und seiner Zeitgenossen
  18. Der beschwerliche Rückkauf der Moritzburg durch den Staat
  19. Die Moritzburg – Gericht, Kaserne, Universität oder Museum?