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Quelle: http://www.stadtgeschichte-halle.de?id=304018 Datum: 23.05.2013

Kulturfalter. November 2004

Die Marktkirche wird 450 Jahre alt

Shirley Brückner

So nah sich heute die Abbilder der beiden Kontrahenten der Reformationszeit, Kardinal Albrecht von Brandenburg und Martin Luther, in der Marktkirche beieinander befinden, so eng ist die Entstehungsgeschichte der Kirche mit beiden christlichen Konfessionen verbunden.

Gleich hinter dem Flügelaltar mit seiner Darstellung des anbetenden Kardinals in rotem Ornat liegt die Sakristei, in der Wachsabgüsse der Totenmaske und der Hände des Reformators aufbewahrt werden.

Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Mainz, zudem seit 1514 Stadtherr in Halle, wirkte auf einen Neubau der Marktkirche in seiner Lieblingsresidenz.

Martin Luther kam mehrmals nach Halle und predigte dreimal der neu entstehenden Kirche. Noch auf seiner letzten Reise nach seinem Tod – auf dem Weg von Eisleben nach Wittenberg – wurde sein Leichnam für eine Nacht in der Sakristei aufgebahrt.

An Albrecht hatte Luther 1517 seine Thesen gegen den Ablasshandel gerichtet. Albrecht war gewissermaßen Luthers oberster Dienstherr gewesen, aber vor allem war er auch der von Rom eingesetzte Verwalter für den Ablasshandel in Deutschland. Mit den Erlösen aus den Ablässen, hoffte er seine immensen Schulden bei den Fuggern, die sich bei den Ämterkäufen aufgehäuft hatten, begleichen zu können. Das Wirken beider Kirchenmänner hinterließ im Mittelpunkt der Stadt Halle Spuren.

Ursprünglich standen am Platz zwischen heutigem Markt und Hallmarkt zwei Kirche dicht hintereinander: im Westen die weit ältere St. Getruden und im Westen die aus dem 12. Jahrhundert stammende Marienkirche. 1528 kam die Idee auf, beide Kirchen zu einer großen Stadtkirche zu verbinden. Der ein Jahr später vorgelegte Entwurf, wohl vom Ratswerkmeister Caspar Krafft, sah den Abriss der beiden Kirchenschiffe und einen Kirchenneubau zwischen den beiden Turmpaaren vor. Unter seiner Leitung entstanden zwischen 1530 und 1538/39 die östlichen vier Joche der neuen Kirche. Danach ruhte der Bau mehrere Jahre, denn Kraft starb 1540. Doch viel einschneidender dürften andere Ereignisse gewirkt haben: Mit dem Bankrott und dem Rückzug Albrecht von Brandenburgs nach Mainz setzte sich 1541 die reformatorische Lehre in der Stadt durch. Am Karfreitag des Jahres 1541 hielt der Wittenberger Theologe Justus Jonas die erste lutherische Predigt in der sich noch im Bau befindlichen Kirche. Am darauffolgenden Ostermontag, teilte er erstmals das Abendmahl in Brot und Wein an die hallischen Christen aus.

Für den Weiterbau ab 1542/43 wurde der Pirnaer Steinmetz Nickel Hoffmann engagiert, der den Plan Kraffts fortsetzte aber durch den Einbau der Emporen, der Kanzel und der Portale auch Eigenes einbrachte. Die so errichtete spätgotische Hallenkirche mit ihren zehn Jochen zwischen den blauen Türmen im Westen und den Hausmannstürmen im Osten, war nach einem vorreformatischen Plan entstanden. Nach dem Umbruch im 16. Jahrhundert wurde hier nun jedoch lutherisch gepredigt. Im Jahre 1554 vollendete Nickel Hoffmann den Bau der Marktkirche und ließ die Jahreszahl an der Südempore einmeißeln, wo sie auch heute noch zu finden ist.

Die Marktkirchengemeinde, zusammengewachsen aus den ehemaligen evangelischen Stadtgemeinden St. Marien, St. Moritz, St. Ulrich und St. Georgen, begeht die 450-jährige Wiederkehr der Schlussweihe ihrer Kirche mit einem umfangreichen Programm, dessen Höhe­punkt, die in der zweiten Novemberwoche stattfindende Festwoche sein wird.